Finishen

Das Finishen zählt gemäß der DIN 8589 zu den trennenden Fertigungsverfahren mit geometrisch unbestimmter Schneide. Es ist wie das Feinschleifen, Honen, Läppen und Polieren ein Fein- bzw. Präzisionsbearbeitungsverfahren. Die Finishverfahren lassen sich grundsätzlich in Rotations- und Oszillationsverfahren unterteilen. Zu den Rotationsverfahren zählen das Planfinishen sowie das Kugel- und Kalottenfinishen. Das Kurzhubfinishen und das Laufbahnfinishen zählen zu den Oszillationsverfahren.

Rotationsfinishverfahren

 

Oszillationsfinishverfahren

  • Planfinishen
  • Kugelfinishen
  • Kalottenfinishen
 
  • Kurzhubfinishen
    • Finishen im Einstechverfahren
    • Finishen im Durchlaufverfahren
  • Laufbahnfinischen
     
Planfinishen: Kurzhubfinishen:


Finishverfahren unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Schleifverfahren. Im Gegensatz zu Schleifverfahren kennzeichnen sie sich immer durch eine Überlagerung von zwei Bewegungen. Hieraus entsteht der für das Verfahren so typische und funktionell wichtige Kreuzschliff. Beim Rotationsfinishen überlagern sich zwei gegenläufige Rotationsbewegungen und beim Oszillationsfinishen führt die Überlagerung einer Rotationsbewegung (meist vom Werkstück ausgeführt) mit einer Oszillation (kann sowohl vom Werkzeug als auch vom Werkstück ausgeführt werden) zum typischen Kreuzschliff. In der nachfolgenden Tabelle sind die wichtigsten Unterschiede zum Schleifen zusammengestellt.

Merkmal Finishen Schleifen
Kontakt zwischen Werkzeug und Werkstück Flächenkontakt Punkt- oder Linienkontakt
Prozesssteuerung vorzugsweise kraftgesteuert weggesteuert
Arbeitsgeschwindigkeit
(Schnitt- bzw. Wirkgeschwindigkeit)
60 – 120 m/min 60 – 120 m/s
Form- und Oberflächenqualität formverbessernd
Rz 0,04 … 2,0 µm
formgebend
Rz 0,1 … 25 µm
Schleifwerkzeuge Mikrokörnung Makrokörnung (für das Fein- und Polierschleifen auch Mikrokörnung)

 

Weiterhin hinterlässt das Finishen weder Gefügeveränderungen noch Oberflächenspannungen oder Mikrorisse.

Das Planfinishen findet zum Beispiel in der Bearbeitung von Einspritzteilen wie Düsenkörper, Injektoren oder Drosselplatten, von Planeten- und Sonnenrädern in der Getriebetechnik und von Dichtringen Anwendung. Allgemein kann das Planfinishen immer dort Anwendung finden, wo hohe Anforderungen an die Form- und Oberflächenqualität sowie Funktionalität der Planfläche gestellt werden. Die Verfahren Kugel- und Kalottenfinishen werden zur Bearbeitung von künstlichen Hüftgelenken, Hüftgelenk-Pfannen oder auch Kugelbolzen eingesetzt.

In der Motoren- und Getriebeindustrie kommen die verschiedenen Varianten des Kurzhubfinishens unter anderem in der Bearbeitung von Nocken-, Getriebe-, Kurbel- und Steuerwellen mit Stein- oder Bandtechnologien im Einstechverfahren zu Anwendung. Andere Anwendungen für das Kurzhubfinishen sind die Bearbeitung von Lenk- und Zahnstangen oder das Durchlauffinishen von zylindrischen Bauteilen. Das Laufbahnfinishen ist ein Spezialverfahren zur Bearbeitung von Wälzlagerringen.

 

Vorteile der Finishverfahren

 

Vergleich einer geschliffenen zu einer gefinishten Oberfläche

 
Finishen
Schleifen
Oberfläche
Gemittelte Rautiefe RZ
0,21 µm
2,27 µm
Rauheitsprofil
Abbott-Kurve
Materialanteil Mr1
7,8%
9,81 %

 

Viele Finishtechnologien basieren zwar immer auf einem Hauptverfahren, sind aber dennoch in vielerlei Hinsicht Speziallösungen. Dies führt unter anderem auch dazu, dass nur wenige Standardmaschinen für die Finishbearbeitung auf dem Markt zu finden sind. Als An-Institut der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) wirken wir in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten in den Schwerpunkten Maschinen- und Technologieentwicklung mit.

 

Dienstleistungen im Bereich Finishen: